Essay: Organisation musikalisch denken

Ausschnitt aus dem Essay:
Organisation musikalisch denken
Christopher Dell (ifit)
Organisation wird im Rückgriff auf ihre Kultur nicht als substantielle Form oder neutraler Behälter verstanden, in dem organisationale Akteure handeln. Vielmehr wird Organisation performativ gedacht, d.h. sie entsteht durch Ausübung – Wiederholung, Routine, Rituale, Muster – und ihr Wissen ist tacit. Als performativer Akt ist Organisation prozesshaft und entwickelt sich durch ein Handeln das an Wertvorstellungen, Materialien und Strukturen geknüpft ist. Das erforschungswürdige an diesem Konzept ist, dass wir meist kein bewusstes Konzept der Performanz von Organisation haben, also von dem, was wir als Kultur einer Organisation „machen“ – uns fehlt mithin die Urteilkraft fürs Relationale, Situative und Performative.
Das Erforschen der impliziten Formen des Wissens ist bereits seit langem Bestandteil der Organisationstheorie. Neu ist, das künstlerische Forschen in diesen Komplex mit einzubeziehen. Im künstlerischen Forschen geht es mithin um die Ausweitung der Forschung in ihrer kategorialen Bestimmung und deren Auffächerung. Anders gesagt: künstlerisches Forschen fragt neu nach der ontologischen Bedingungen von Forschung, also der Beschaffenheit des Forschungsgegenstands, der Form der Episteme und den damit verknüpften methodologischen Ansätzen. Forschung in der Kunst wird von Borgdorff (2009) als „performative Perspektive“ bezeichnet, Donald Schön beschreibt sie als „Reflexion in der Aktion“. Die Trennung von Objekt und Subjekt wird hier problematisiert denn die Distanz des Forschenden zum Gegenstand ist minimiert – im Gegenteil sucht der Forschende in performativen Kontakt mit den Dingen zu kommen um aus praktischen Situationen heraus Wissen zu destillieren. Dieser Ansatz geht davon aus, dass die künstlerischen Praktiken selbst ein Reservoir an Wissen bereitstellen, die es für die Forschung fruchtbar zu machen gilt. Wenn Handlung reflexiv gemacht wird, impliziert dies, dass „Konzepte und Theorien, Erfahrungen und Auffassungen … mit Kunstpraktiken verwoben“ sind. Aus dieser Perspektive heraus sind die spezifischen MICC-Formate entstanden und aus dieser Perspektive lassen sich deren spezifische Modi der Wissensproduktion verstehen.
„Organisation musikalisch denken“, in: praeview, Zeitschrift für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention, 1, 2011 (Themenheft: Das “Andere”. Ästhetisch-performative Zugänge innovativer zur Organisations- und Arbeitsgestaltung.