Performative Installation: slow space
slow space
Performance mit der Künstlergruppe Magdalena Inc.+, Darmstadt.

Foto: © Klaus Meyer
Mission Statement
Die Frage nach den Möglichkeiten wirklichkeitskonstituierenden Handelns. Erkundungen der Landschaften, wo sich gesellschaftliche Verantwortung und Kompetenz täglich neu erfindet. Daraus: die Entwicklung von Vorstellungen möglicher Zukunften.
Die Gruppe
Die Performancegruppe Magdalena Inc.+ enststand 1998 aus dem Zusammentreffen vierer KünstlerInnen aus unterschiedlichen Disziplinen. Folgende KünstlerInnen sind beteiligt:
Walli Höfinger – Bewegung
Christiane Hommelsheim – Stimme
Ruth Hommelsheim – Bild
Christopher Dell – Klang
Alle Ensemblemitglieder können auf jahrelange erfolgreiche künstlerische Arbeit verweisen.
Der Ansatz
Der Ansatz von „slow space“ ist das prozesshafte, improvisatorische Erarbeiten von Form. Jedes Ensemblemitglied bringt das in seinem/ihrem spezifischen Bereich entwickelte Material ein, das im Laufe des Probenprozesses hinterfragt und in neue Sinnzusammenhänge gestellt wird. Die KünstlerInnen kommunizieren mit Stimme, Bewegung, Klang und Bild in einer gemeinsam entwickelten improvisatorischen Sprache. Hierbei werden neue Standards in der Nutzung der in der Performance verwendeten Medien gesetzt.
Trandisziplinarität als Modell
Innerhalb der Kommunikationsarbeit wird der Austausch zwischen den Sparten ein entscheidender Faktor. Eine gemeinsame Sprache kann nur im gegenseitigen Kennen- und Verstehenlernen entstehen. Die Ensemblemitglieder geben sich gegenseitig Workshops in ihren Kernkompetenzen und erzeugen so einen interdisziplinären Mehrwert. Auch der jeweilig bespielte Raum wird als konstituierend für die Aufführung miteinbezogen. Die Architektur geht damit als weitere Disziplin in die Aufführungstechnik mit ein. Da die Struktur des Ensembles nicht hierarchisch gegliedert ist, steht jedes Mitglied in der vollen Verantwortung für Entscheidungen.
Das Thema
Hat sich die vorhergehende Produktion „Am Rande der Zeit“mit zeitlichen Strukturen auseinandergesetzt, so ist „slow space“ ist eine künstlerische Phänomenologie von Bewegung. Das beinhaltet die Erkundung von Bewegungsabläufen, Stimmigkeiten und Resonanzen. Bei dieser Arbeit, welche sich improvisatorisch äußert, wird der Augenblick als Material begriffen. Die Akteure setzen sich permanent dem Möglichen aus, um die Grenzen der, der jeweiligen Disziplin in Ausrichtung auf ihre Durchdringung und Öffnung zum Anderen hin zu überschreiten. Die Bewegung am Rande, an der Schwelle zwischen Subjekt und Gruppe, zwischen Imitation und Kreation ist Movens eines ständigen Entdeckens von und Spielens mit der Alterität. Abwesenheit- Anwesenheit, Nichtidentität – Identität heissen zwei der Begriffspaare dieser Grenzwanderung.
Der Körper
Das Beziehungsgeflecht zwischen Körper und Raum hat sich in dem 20.Jahrhundert radikal verändert. Unser Körper und die Topographie seiner Verortung ist in fraktale Dimensionen vorgerückt. Vom kopfüber aufgehängten (Baselitz) zum in den Raum geworfenen (Yves Klein) zu dem im Cyberspace vagabundierenden Körper ist die Bewegung in turbulente Sphären eingedrungen. Im Dreischritt des performativen Körpers des Künstlers, seiner per Digicam und Laptop an virtuelle Realitäten realisierte Angeschlossenheit an den virtuellen Raum, sowie des partizipierenden Körpers des Zuschauers eröffnet sich einer Dialektik mediatisierter Erfahrung. Dieser Dialektik und der ihr immanenten Problemstellungen widmet sich Magdalena Inc.+. Sie begreift die Fraktalität, das Imperfekt, das Unscharfe als Chance für eine Versinnlichung und Verdichtung körperlicher Erfahrungswelten. Diese erharren nie in Selbsrreflexivität, sonderen verbinden Mimesis mit Alterität. Das Subjekt erfährt sich und seine Identität in der intersubjektiven Asueinandersetzung und Interaktion mit der Gruppe. Dabei werden unbekannte Territorien des körperlichen Ausdrucks gesucht und versucht gleichzeitig dessen Kommunizierbarkeit sicher zu stellen. In diesem Sinne ist das Projekt „slow space“ als atmosphärische Positionsbestimmung in der aktuellen Debatte um die Verortbarkeit des Körpers zu verstehen. Um die Wirkung der intrinsischen Logik der Arbeits- und Kommunikationsabläufe zu testen und zu prüfen, ist es wünschenswert, diese der kritischen Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit zu stellen und weiter zu entwickeln, zu korrigieren im positiven Sinne.
Das Projekt
In dem Projekt „slow space“ wollen die Mitglieder der Gruppe innovativ und nomadisch arbeiten. Neue Wege im Umgang mit den Materialien und Grenzüberschreitungen der jeweiligen disziplinären Felder sowie ein ständig sich durch die Spielorte veränderndes Produktionsumfeld bilden den Ausgangspunkt der Arbeit. Die transdisziplinäre Durchleuchtung von und der spielerische Umgang mit den, aus der intensiven Recherchearbeit gewonnenen Elementen, stellen die Grundpfeiler des Projektes dar. Der Produktionszeitraum des Projekts wirkt in Form eines Laboratoriums. So wurde vermittels mehreren Arbeitsphasen im Jahr, unabhängig von zeitlichen Zwängen, experimentiert, geforscht und eine neue, zwischen den Disziplinen vermittelnde Sprache entwickelt. Das Ergebnis ist ein Semantisches Konzept, eine Art Improvisationstechnologie, welche es den KünstlerInnen ermöglicht, in realtime zu kommunizieren und zu interagieren. Das Ordnungsprinzip der jeweiligen Aufführung, ihr spezifisches neuronales Netz entsteht somit aus der ihr eigenen kommunikativen Praxis heraus. Sie kommt wie sie vergeht. Wie ein organisches Zelt wird sie an jedem Ort neu errichtet. In ihrer Körperlichkeit nimmt sie an jeder Lageveränderung teil, aktualisiert sich konstant. Seit 2001 ist dieses Konzept auch öffentlich zu sehen. So wurden in Berlin/Reichenow, Saarbrücken, Köln und Darmstadt Performances aufgeführt.
Das Ziel
Ziel unserer Arbeit ist es, die Kunst der Improvisation zu einem hohen Niveau zu entwickeln, transparent zu machen und performativ vor Publikum umzusetzen. Bereits die ausgedehnte Laborphase macht deutlich, dass wir langfristig planen, um unserer Arbeit eine Tiefe und Konzentration zu ermöglichen.
Realisierung
Das Projekt „slow space“ soll die von uns entwickelten Arbeitsmethoden in eine künstlerische Umsetzung münden lassen und sie der Öffentlichkeit in Form von ca. 50- minütigen Aufführungen präsentieren. War unsere Arbeit bisher der eingehenden interdisziplinären Recherche gewidmet, so ist das Ziel der neuen Arbeit, die bisherigen Ergebnisse zu bündeln und künstlerisch umzusetzen. Als Zeitrahmen sind eine zweiwöchige Probephase sowie eine Aufführung mit jeweils dreitägiger Ortserkundung geplant.